Reedereien werden nachhaltig?

In den letzten zwei Jahren ist die Nachhaltigkeitsbewegung auch bei den Reedereien angekommen. Eine Entwicklung die sehr zu begrüßen ist. Ist die positive Entwicklung der letzten Monate den wirklich erst in den letzten zwei Jahren entstanden? Nach unserer Meinung nicht.

Das erstarkte Umweltbewusstsein gibt es schon erheblich länger und ist letztlich auch wirtschaftlichen Überlegungen geschuldet. So haben einige Reedereien, wie die RCI-Gruppe, schon in den 2000er Jahren LED-Beleuchtung eingeführt. Das Stromeinsparpotential, der zu dieser Zeit neuartigen Beleuchtung, war/ist enorm. Der direkte Effekt: eine hohe Treibstoffeinsparung pro Schiff. Ebenfalls hat man mit der Millennium-Klasse von Celebrity Cruises schon zur Jahrhundertwende auf Gasturbinen gesetzt. Zwischenzeitlich waren der Gaspreise weltweit sogar so günstig geworden, dass es sich gar gelohnt hat den Antrieb eines bereits gebauten Schiffs zu tauschen. Die Folge, eine ingenieurtechnische Meisterleistung, "made in Germany", bei Blohm & Voss in Hamburg. Hier wurde der bestehende Antrieb der „Brilliance of the Seas“ im Mai 2008 gegen eine Gasturbine getauscht. 

In beiden Fällen standen wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund. Der positive Effekt für die Umwelt ist dennoch sehr erfreulich. 

Daher ist es auch in Zukunft sehr wichtig, dass wirtschaftliche Anreize geschaffen werden damit grüne Technologie schnell von der Wirtschaft angenommen wird. Aufgrund der Tatsache, dass Reedereien weltweit operieren, eine echte Herausforderung. 

Die Kreuzfahrtindustrie pauschal als kapitalistische Umweltsünder abzustempeln wäre jedoch zu einfach. Schon lange haben die Reedereien ein hohes Maß an Interesse am Schutz der Umwelt. Schließlich ist ihr Geschäftsmodell von einer intakten Natur abhängig. 

Dennoch ist der entstandene Druck der Öffentlichkeit und Passagiere zu begrüßen. Trägt dies doch zur Beschleunigung der positiven Entwicklungen bei. 

Passagiere sind jedoch auch im hohen Maß gefordert ihr Verhalten an Bord überdenken. Ein Beispiel dafür ist die tagtägliche massenhafte Vernichtung von Lebensmitteln an Bord. Dies basiert auf der Tatsache, dass viele nur ihre Teller immer noch mehr laden, als sie überhaupt essen können. Das ist nicht nur eine Umwelt- und moralische Sünde, sondern treibt auch die Reisepreise hoch.


Autor: Jörg Bajlo